Manuela Kloibmüller

Ein halbes Blatt Papier

Uraufführung

Strindbergmuseum Saxen

Ein halbes Blatt Papier…

Kunst um Strindberg

In diesem musikzersetzten Projekt entstehen akustische Ereignisse und sie nähern sich dem Leben von August Strindberg im Besonderen der Zeit, die er mit Frieda Uhl in Dornach verbrachte. „Ein halbes Blatt Papier“ zum 100. Todestag von August Strindberg bringt zeitgenössische Klänge zum Publikum. Diese sind verwirrend, verstörend, verzaubernd und erfordern ein offenes Ohr und einen offenen Geist. Regie führen eine Tuba, ein Akkordeon und eine Stimme, sie spielen auf und bieten musikalisch Unerhörtes. Eine Schauspielerin äussert sich über den Frauenhasser, der doch so liebte, zusammen ergibt das einen ergiebig musikalischen Vormittag. Es wechseln verschiedene Perspektiven und es verschmelzen Text und Musik zu einem Seelenbild des Dichters. Die experimentelle Herangehensweise entspringt der Kombination von zwei eigenwilligen Instrumenten – Akkordeon und Tuba – mit Stimme und Text. Die Künstler bereiten unkonventionelle Kost als sonntägliche Vorspeise – zu Ehren des Dichters Strindberg und seiner Zeit in Saxen.

Zwei Uraufführungen zeichnen für den musikalischer Höhepunkt der Matinee. Die Komponisten Irene Kepl und Nebojša Krulanovic haben sich mit dem Leben und der Seele August Strindbergs auseinandergesetzt und jeweils einen besonderen Zugang gefunden.

Tuba, Gesang: Christina Schauer
Akkordeon, Konzept: Manuela Kloibmüller
Rezitation: Katharina Hofmann

Kronenzeitung
von Norbert Trawöger

Musik

In unbekannter Sprache (1981) – Diether de la Motte
aus „7 Stücke für Akkordeon und ein Melodieinstrument“

Five Possibilties (1991) – Horst Meyer-Selb
Moderato – À la Russe – Animato – Andante – Allegro ma non troppo

Tuba Suite (1973) – Gordon Jacob
Largo – Mazurka

Ein Buch von der Minne (1946-1966) – Friedrich Cerha
Oh weh, wohin sind alle mein Jahre entschwunden! (Walther von der Vogelweide)
Ich schlaf, ich wach, ich geh, ich steh (Namenlos)
Du sollst lieben das Nichts (Schwester Mechthild von Magdeburg)

Uraufführung
broken line (2012) – Irene Kepl

Uraufführung
Gang (2012) – Nebojša Krulanovic

Requiem (1995) – Boudewijn Tarenskeen

Ich darf nicht dankend (aus „Waller im Schnee“ von Stefan George) (1920)
aus „Zwei Lieder“ opus 13 – Arnold Schönberg
Einrichtung für Akkordeon M. Kloibmüller

Hors d´Oeuvre = Vorspeise (1995) – Cyrill Schürch

Literatur

Ein ganzes Leben in einer Stunde
aus: Buch der Liebe (Übersetzung: Emil Schering)
August Strindberg

Plädoyer eines Irren (Le plaidoyer d´un fou) (Übersetzung: Hans-Joachim Maass)
August Strindberg

Madame Strindberg: oder die Faszination der Boheme
Friedrich Buchmayr

Strindberg Ein Leben (Übersetzung: Verena Reichel)
Per Olav Enquist

Wenn nein, nein! August Strindberg und Frieda Uhl Briefwechsel
Friedrich Buchmayr

Inferno. Legenden (Übersetzung: Christian Morgenstern)
Kapitel VII Die Hölle
August Strindberg

Ein halbes Blatt Papier (Übersetzung: Jan Keller)
August Strindberg

Gang

Nebojša Krulanovic

Schritte folgen und treiben einen Künstler zum Wahnsinn. Strindberg erlebte nach der Zeit in Dornach die Inferno Krise. Inspiriert von dieser Getriebenheit und von einer inneren Stimme, die einmal realistisch dann wieder surreal ist, entstand diese Komposition von Nebojša Krulanovic. Gefangen in einem Labyrinth aus Fragen, dem Spott anderer preisgegeben, so eröffnet sich die Lage eines Dichters und findet Niederschlag in musikalischen Mitteln. Ein sehr persönlicher Zugang zu August Strindbergs Seelenwelt.

broken line

Irene Kepl

Recherche: Bei der Recherche erlebte ich August Strindberg als eine sehr ambivalente Figur, sowohl in textlicher als auch in menschlicher Hinsicht. Als ich auf seine 2. Frau Frida Strindberg stieß – deren Elternhaus stand in Strudengau – war mein Interesse geweckt. Trotz der rigiden Ablehnung ihres Gatten war sie, soweit es möglich war, schriftstellerisch erfolgreich tätig, was von großen Mut spricht, der mich beeindruckt hat. In diesem Sinne widme ich das Werk “broken line” Frida Strindberg, geborene Uhl.

zum Stück: Bruch und Wiederholung, Ausbruch oder Fügung. Immer Neues erleben (müssen/wollen) und (gemütlich/genervt) verharren in Bekanntem, Was glauben wir gewählt zu haben? Inwieweit ist es möglich gewohntes (Hör-)Terrain zugunsten des Erlebens neuer (Form-)Felder zu verlassen, ohne sich in den eigenen, etablierten (Hör-)Mustern zu verfangen? Sounds, Patterns, Melodien und Gesten sind collageartig miteinander verknüpft, die Elemente zusammen ergeben Pole, innerhalb derer sich das Stück immer fort bewegt.