Manuela Kloibmüller

Akkordeon, Ziehharmonika, Quetsch´n

Musikalische Geschichte und Geschichten rund um eine wunderbare Instrumentenfamilie

Mit Manuela Kloibmüller und Angela Appenzeller.

Das Akkordeon ist auch bekannt unter einer Reihe von regionalen, teils umgangssprachlich-humoristischen oder die Bauform beschreibenden Namen: Handharmonika, Ziehharmonika, Ziehorgel, Ziach, Handorgel, Riemenorgel, Quetschkommode, Quetsch, Quetschebüggel, Quetschn, Zerrwanst, Tretschrank, Schifferklavier, Russenfurz, Teufelslunge oder auch einfach Harmonika.

Wien 6. Mai 1829: Dem Orgel- und Klaviermacher Cyrill Demian & Söhne wurde ein Privilegum ausgestellt auf die Erfindung eines neuen Instrumentes, Accordion genannt.

Mundharmonika und Handharmonika schreiben Musikgeschichte und läuten einen neuen Abschnitt in der Verbreitung von Musik ein. War die Musikausübung bis dahin das Privileg einer kleinen Minderheit in bürgerlichen und adeligen Kreisen, so versetzte das Akkordeon als radikaldemokratischer Klangerzeuger nun jedermann in die Lage, sich musikalisch zu betätigen. Das Akkordeon hat einen Siegeszug um den Globus angetreten, von Europa aus nach Lateinamerika, in die Karibik, nach Afrika und Übersee, es wird geliebt und verachtet. Das hässliche Entlein wurde zum Paradiesvogel, es wurde kultiviert und kann sich selbstbewusst als fester Bestandteil in der Musikwelt behaupten.

Das grüne Akkordeon
Annie Proulx

Im Jahre 1890 fertigt ein Akkordeonbauer in seinem sizilianischen Heimatdorf ein Meisterwerk, ein kleines Knopfakkordeon mit neunzehn polierten Perlmuttknöpfen und glänzendem grünen Lack und macht sich auf nach “La Merica”, um dort sein Glück zu versuchen. Er kommt schnell unter die Räder, sein Instrument aber überlebt. Das Akkordeon es wird gestohlen, verkauft, verpfändet, verschenkt und begleitet die Nachfahren von Italiener, Mexikaner, Polen, Afrikaner, Deutsche, Norweger, Iren, Basken und Franzosen. Akkordeonmusik ist die Verbindung zwischen den Welten, ein Ausdruck der Phantasien und der Lebenslust.