Du sollst nicht lieben

Musikalische Komödie von Georg Kreisler
Ă–sterreichische ErstauffĂĽhrung
Landestheater Linz – Eisenhand

Spielsaison 2011/12
Premiere 15. März 2012

Inszenierung: Manuela KloibmĂĽller
Musikalische Leitung: Nebojsa Krulanovic
Dramaturgie: Anke Held
Ausstattung: Christian Schmidleithner
Sonja: Angela Smigoc
Lothar: Joachim Rathke

Ein neues Gebot erobert die Zweisamkeit: „Du sollst nicht lieben”.
Es zu achten, erzeugt Heiterkeit und eine zur Absurdität neigende Ironie.
Die junge, lebhafte Sonja trifft auf den kultivierten, bindungsängstlichen Lothar und beide entdecken, es wäre das Beste, sich nicht zu lieben. Noch die erste Begegnung scheint normal, alles dreht sich um einen Strauss verwelkter Rosen, ein italienisches Restaurant und den Vorsatz Lothars, Sonja ihre Jugend zu entreißen. In einem Anfall von Torschlusspanik spinnt Lothar seine Gedanken, wie er Sonja dazu verleiten könnte, sich ihm an den Hals zu werfen und ihn zu heiraten. Doch Sonja braucht einen Vater für ihre Tochter und ihr Widerstand ist enden wollend. Die Talfahrt beginnt, an der jeder teilnehmen und zusteigen kann. Man begibt sich mit den beiden ins Theater, ins Bett, ins Büro, nach Paris, man begleitet das Paar in die Absurdität des Alltags. Versuche der beiden, zu kommunizieren, bleiben erfolglos und ohne in Zynismus zu verfallen wird hier eine Nicht-Liebe entlarvt, bis zum Schluss jeder alleine bleibt.
Georg Kreisler serviert mal bissig pointiert, mal charmant beschwingt und bereitet genussvolle Momente in dieser musikalischen Komödie. Er entspinnt eine bittersüße Nichtromanze, die die Fallen des Ehelebens offenbart und gewährt höchst aufschlussreiche Einblicke in wiederkehrende Zweisamkeitsverzweiflungen. Seine Übertreibungen erzeugen Vergnügen am gnadenlos Normalen. Musik von Bach bis Wolf mischt sich unter die beiden, Beethoven und Rossini feiern komödiantische Urständ und fröhlich bilden sie den Abgesang der Liebe.
_Er ist er und ich bin ich. Wenn es die große Liebe wäre, ja dann wäre ich er
und er wäre ich. Aber die große Liebe wird uns wohl erspart bleiben, dass ist ein Kompromiss, den man eingehen muss …_

Fotos: Christian Brachwitz

Neus Volksblatt 17.03.2012

Über die Unerträglichkeit der geliebten Zweisamkeit

Premiere: Komödie „Du sollst nicht lieben“ von Georg Kreisler im Linzer Theater
Eisenhand – Musikalischer und humoristischer Genuss
Von Mariella Moshammer

Kompromisse. Eine Beziehung ohne Kompromisse ist eine Utopie, aber zu viele Kompromisse tun der Harmonie auch nicht gut. Die musikalische Komödie „Du sollst nicht lieben“ vom im vergangenen November verstorbenen Kabarett-Altmeister Georg Kreisler feierte am Donnerstagabend ihre österreichische Erstaufführung im Linzer Eisenhand. Mit musikalischen Harmonien konnte die Aufführung punkten, die Beziehung um die sich’s dreht, eher mit Disharmonien.
Vom Liebeswirrwarr zum Paar-Sein
Die Apfel-kauende Sonja (Angela Smigoc) trifft auf den älteren Lothar (Joachim Rathke). Das Kennenlernen verläuft – wie so oft – holprig. Ob gewollt oder nicht, die Holprigkeit ĂĽbertrug sich auf die Zuseher. Zu wenig absurd, um komisch zu sein, aber zu viele Ideen, um die Geschichte, die erzählt werden wollte, zu erkennen. Doch das (Liebes-) Wirrwarr lichtete sich schnell und es wurde ein wahrer Genuss, das „Hineinspechteln“ in die Beziehung von Sonja und Lothar. Mit rasendem Tempo schreitet das Paar-Sein dahin: Man liebt und hasst sich und erträgt sich nicht, um dann doch zu erkennen, dass es anders noch viel weniger geht. Dann die Ehe, die UnertrĂĽglichkeit der Zweisamkeit im alltäglichen Sein, der Ausbruch daraus und das unausweichliche Altwerden – und da findet man einander wieder: als „zwei alte tanzende Tanten“.
Regisseurin Manuela KloibmĂĽller folgt Kreisler in ihrer Inszenierung, lässt ihre Protagonisten grob, sarkastisch und voller Fatalismus gegen- und miteinander umgehen. Grandios die musikalischen Einlagen – Nebosja Krulanovic am Klavier und als amĂĽsant-charmanter Sänger („Barbara“, „Ehe“ …) kommentierte die Geschehnisse, doch auch Smigoc und Rathke singen sich – fast – um ihre Liebe, mit ironisch-komischen Texten zu Klassikern, wie Beethovens „FĂĽnfte“.
Die Bühne von Christian Schmidleithner erweitert sich originell ins Foyer, macht Bodenbelege zu Bettdecken, zwei bewegliche Zäune weisen Sonja und Lothar immer wieder in ihre Schranken. Viele Lacher, viel Applaus für einen amüsanten Abend.

OĂ–N 17.03.2012

Ein eher neurotischer denn erotischer Ehealltag

Von Silvia Nagl

„Ich wĂĽnsche allen Menschen eine Barbara – in Wirklichkeit, doch besser noch, im Traum“ dichtete in den 1960ern Georg Kreisler in seinem Lied „Barbara“, groĂźartig an diesem Abend von Nebojsa Krulanovic interpretiert. Auf dem Klavier steht, als kleine Hommage, ein Foto des im Vorjahr verstorbenen GroĂźmeisters des galligen Humors. Die musikalische Komödie „Du sollst nicht lieben“, 1996 verfasst, 1999 uraufgefĂĽhrt, nun erstmals in Ă–sterreich: Kreisler hat, ein wenig eheverdrossen und nicht immer auf allerhöchstem dichterischen Humorniveau, eine Geschichte um ein Paar konstruiert – er mittelalterlich, sie jung – , das so endet wie alle Paare laut Kreisler enden mĂĽssen, denn es – ist egal, wen man heiratet, am nächsten Morgen ist es sowieso die Falsche. Regisseurin Manuela KloibmĂĽller und musikalischer Leiter Krulanovic haben gut daran getan, den Text, ursprĂĽnglich ausschlieĂźlich mit klassischen MusikstĂĽcken versehen, durch alte Kreisler-Songs aufzupeppen.
Joachim Rathke und Angela Smigoc singen und spielen sich mit Inbrunst und Verve durch die Szenerien, die manchmal erotikneurotischen Touch – la Woody Allen bekommen. Ganz aber scheint KloibmĂĽller dem Text doch nicht zu trauen, fĂĽllt sie doch die eineinhalb Stunden Spieldauer mit ständiger Aktivität der Darsteller, die immer irgendetwas tragen, hinlegen, herumschieben usw. mĂĽssen, was zu eigenartig nervöser Unruhe fĂĽhrt. Ruhender Pol ist und bleibt der virtuose Mann am Klavier.