GASPARONE

Pramtaler Sommeroperette 2015

Gasparone oder Italienische Irrungen und Wirrungen

SĂŒdlĂ€ndischer Zauber liegt ĂŒber dieser Operette, die irgendwo in Italien spielt. Das Textbuch verfasst das Textdichter-Duo Richard Genee und F. Zell. Nicht minder erfolgreich als “Der Bettelstudent” geht “Gasparone” unmittelbar nach der UrauffĂŒhrung ĂŒber die BĂŒhnen der Welt. Die Handlung, die viel LĂ€rm um Nichts als bĂŒrgerlicher Widerhall auf einen erfundenen Anarchisten inszeniert, bezieht hier auch das eigene Genre in den Witz mit ein. VolkstĂŒmliche und ĂŒberaus wirkungsvolle Melodien begleiten das ganze heitere Geschehen. Diese am 26. Januar 1884 im Theater an der Wien uraufgefĂŒhrte Operette zĂ€hlt damit zu Karl Millöckers grossen Erfolgen.

Musikalische Leitung: Gerald Karl
Inszenierung: Manuela KloibmĂŒller
Ausstattung: Isabella Reder
Salonorchester sINNfonietta

Mit Eva Maria KumpfmĂŒller, Adelheid BrandstĂ€tter, KS Josef Forstner, Martin Kiener, Adam Sanchez, Christine OrnetsmĂŒller, Harald Wurmsdobler, Claus J. Frankl, Michael Zallinger, Michael Kaltseis, Stefan Sommergruber

HT1 Bericht

So wie der Pramtaler “Gasparone” muss Operette sein

OÖ Nachrichten – Michael Wruss

Zell/Pram: Die Eröffnungspremiere des Pramtaler Operettensommers war ein dem Genre gerecht werdendes perfektes Spektakel.
Die Eröffnungspremiere des Pramtaler Operettensommers war ein dem Genre gerecht werdendes perfektes Spektakel: “Oberösterreich hat zwar keine Salzburger Festspiele, dafĂŒr aber viele kleine, feine Festivals.” Das wird von Landeshauptmann Josef PĂŒhringer – so wie am Samstag bei der Eröffnung des Pramtaler Operettensommers – auch bei den nĂ€chsten Sommerfestival-Eröffnungen zu hören sein. Und er hat nicht unrecht. Nicht unbedingt die GrĂ¶ĂŸe zĂ€hlt, sondern das Engagement, das dahintersteht, der Einsatz der KĂŒnstler und Veranstalter und nicht zuletzt vor allem das Ergebnis und wie dieses beim Publikum ankommt. Und damit kann die heurige Gasparone-Produktion auf Schloss Zell an der Pram punkten. Manuela KloibmĂŒller hat auf der kleinen, geschickt von Isabella Reder ausgestatteten BĂŒhne ein perfektes Operettenspektakel inszeniert, das kurzweilig, mit treffenden Pointen und mit vielen heiteren Situationen ĂŒberzeugt.
Sicherlich ist diese Regiearbeit kein Versuch, das Politische dieses Werks herauszukehren, die Gesellschaftskritik in den Vordergrund zu rĂŒcken, jedoch dahingehend plausibel genug, dass sich jeder selbst den Reim machen kann. Gasparone ist der SĂŒndenbock, der – obwohl gar nicht existent – fĂŒr alles herhalten muss, was in der Gesellschaft schief lĂ€uft. Da braucht man nicht um viele Ecken denken, wer die Gasparones der Geschichte und tragischer Weise auch der Gegenwart sind.
Wer ist schuld an den letztwöchigen Wahldebakeln der Großparteien – richtig, die Gasparones – welche Hautfarbe sie auch immer haben mögen. Dazu wird man in Zell an der Pram höchstens inspiriert, nicht aber mit dem Vorschlaghammer des Regietheaters und blutiger Nase darauf hingestoßen. Und das tut bei Operette einmal sehr gut – vor allem dann, wenn die Inszenierung so perfekt im Timing ablĂ€uft und keine Klischees zur Volksbelustigung missbraucht. Fein ist die Besetzung – allen voran Josef Forstner als BĂŒrgermeister Nasoni, der ein KabinettstĂŒckl österreichischer Komödiantik hinlegte. Begeisternd auch Eva Maria KumpfmĂŒller als GrĂ€fin Santa Croce. Adam Sanchez ĂŒberzeugte als Erminio und Martin Kiener war der Idealtyp fĂŒr den lĂ€ssig faulen BĂŒrgermeistersohn Sindulfo. Gekonnt auch Christine OrnetsmĂŒller als Sora und Adelheid Brandstetter als Hausdame Zenobia. “Hausherr” Intendant Harald Wurmsdobler begeisterte als Benozzo sowie Claus J. Farankl als Silvio, Michael Zallinger als Benito und Michael Kaltseis und Stefan Sommergruber als kuriose Carabinieri. Das Salonorchester sINNfonietta unter Gerald Karl trug zwar nicht immer lupenrein, aber doch sehr engagiert zum sehr positiven Gesamteindruck bei.

Ein turbulenter „Gasparone“ – Die Pramtaler Sommeroperette greift ein Werk von Carl Millöcker auf

Neues Volksblatt – Ingo Rickl

Die Pramtaler Sommeroperette im stimmungsvollen Innenhof des 1712 erbauten Schlosses Zell an der Pram erreicht im dritten Jahr ihres Bestehens einen neuen Höhepunkt. Auf dem Programm steht ein keineswegs unproblematisches Werk: Carl Millöckers 1884 im Theater an der Wien uraufgefĂŒhrter „Gasparone“.
Die in den Dreißigerjahren fĂŒr Superstars wie Johannes Heesters, Marika Rökk und Paul Slezak adaptierte Operette wurde fĂŒr die aktuelle Zeller Produktion in die Originalfassung von Richard Genee und Friedrich Zell gebracht. Diese dramaturgische Meisterleistung ĂŒbernahm der Bayreuther SĂ€nger-Darsteller Claus J. Frankl. Der einzige Nachteil: Der Abend geriet mit drei Stunden Spieldauer eindeutig zu lang. Manche Blödeleien wĂ€ren locker zu kĂŒrzen.
LH Josef PĂŒhringer bezeichnete in seinen Grußworten die Pramtaler Sommeroperette als eines der vielen kleinen, aber feinen Festivals im Musikland Oberösterreich. Der Beweis folgte auf dem Fuße, wobei der ĂŒberwiegende Teil der KĂŒnstler aus Oberösterreich stammt. Die routinierte Regie von Manuela KloibmĂŒller verlegte die Geschichte um den RĂ€uber Gasparone, den man nie zu sehen bekommt, vom 19. Jahrhundert in die Sechzigerjahre. Die hervorragend abgestimmten KostĂŒme von Isabella Reder fanden Anklang. Sie schuf auch hĂŒbsche und praktikable BĂŒhnenbilder.
An der Spitze der von der Regie genau differenzierten Damen-Riege steht die durch ihre Ausstrahlung und ihren modulationsfĂ€higen Sopran imponierende Eva-Maria KumpfmĂŒller in der zentralen Rolle der umschwĂ€rmten GrĂ€fin Carlotta. Christine OrnetsmĂŒller als temperamentvolle Gemeindeschwester Sora bietet ebenso ein Hör- und SehvergnĂŒgen wie Adelheid Brandstetter, die den Typ der „Komischen Alten“ perfekt beherrscht.
BezĂŒglich des Handlungsverlaufs halten wir uns an den Untertitel der Produktion: „Italienische Irrungen und Wirrungen“. Den Zweikampf zwischen dem korrupten BĂŒrgermeister Nasoni, den der Wiener KammersĂ€nger Josef Forster mit viel Einsatz darstellt, und einem geheimnisvollen Fremden, der als scheinbarer RĂ€uber zuletzt Carlotta zur Frau erhĂ€lt, wird durch die Truppe von Claus J. Frankl, Michael Zallinger, Michael Kaltseis und Stefan Sommergruber unterstĂŒtzt. Verantwortlich fĂŒr den Abend ist Intendant Harald Wumsdobler.
Bleiben die Tenöre: Der Pole Adam Sanchez als geheimnisvoller Erminio und Martin Kiener in der undankbaren Partie des korrupten Nasoni wetteifern um das Publikum. Als Klangkörper dient das heimische Salonorchester sINNfonietta unter dem den Melodienreichtum Millöckers blenden auslotenden Kapellmeister Gerald Karl. Begeisterung!

Schlosshof wurde zur Piazza

Neue Kronenzeitung – J. WahlmĂŒller

Ein schöneres Wochenende hĂ€tte sich die Pramtaler Sommeroperette fĂŒr ihren Premierenabend wirklich nicht aussuchen können: Nach den Erfolgen „Wiener Blut“ und „Opernball“ nahm man sich im Innenhof des Schlosses Zell an der Pram unter wolkenlosem Himmel Carl Millöckers „Gasparone“ an.
Passend zum Libretto waren dabei auch die wirklich sommerlichen Temperaturen, handelt die Operette doch von kummen Machenschaften der Bewohner des sizilianischen StĂ€dchens Syrakus. Dass der legendĂ€re RĂ€uber Gasparone dabei als SĂŒndenbock fĂŒr so manche Schandtat herhalten muss, fĂŒhrt zu der einen oder anderen amĂŒsanten Verwirrung. Die turbulente, teils unĂŒbersichtliche Handlung wird unter der Regie von Manuela KloibmĂŒller mit unzĂ€hligen liebevollen Details inszeniert. Vor dem schmucken BĂŒhnebild von Isabella Reder ist so stets etwas los und zuweilen wird der gesamte Innenhof zur lebhaften sizilianischen Piazza. Die im Vergleich zum Vorjahr großteils gleichbleibende Besetzung fĂŒhlt sich auf der BĂŒhne wieder pudelwohl. Hie und da wirkt das Verwirrspiel aber dann doch zu langatmig, da hĂ€tte etwas mehr Tempo und Spritzigkeit nicht geschadet. Ansonsten steht aber auch heuer wieder ein heiterer Operettenabend fĂŒr das Publikum bereit.