Manuela Kloibmüller

Der geliebte Adonis

Singspiel in drei Akten von Reinhard Keiser

Die Oper erzählt die Geschichte von Venus und Adonis. Dieses ungleiche Paar, schließlich ist sie eine Göttin und er nur ein schöner, sterblicher Schäfer, wird von den anderen Personen eifersüchtig betrachtet. Am schlimmsten ist hier der Kriegsgott Mars, der dieses Verhältnis auf gar keinen Fall zulassen kann und in rasender Eifersucht dem Schäfer noch dem Leben trachtet. Der schöne Adonis aber hat auch noch mehr Verehrerinnen: die Schäferinnen Eumene und Dryante. Und während die erste sich den ihr ergebenen Schäfer Philistus ständig vom Halse zu halten versucht und in quälender Trauer ihrer Liebe zu Adonis nachweint, verwandelt sich die Liebe der Dryante in Hass, rachgierig schließt sie ein Bündnis mit dem grimmen Mars.

Und dann gibt es noch den lustigen Schäfer Gelon, der die ganze Aufregung um Liebe, Schmerz und Eifersucht überhaupt nicht verstehen kann und ständig ungefragt seine Erkenntnisse zum Thema: »Liebe, Liebende und Frauen im besonderen« zum besten gibt.

Euridice Barockorchester
Musikalische Leitung – Erich Traxler
Inszenierung – Manuela Kloibmüller
Bühne und Kostüme – Isabella Reder

mit Maria Weber, Maria Weiss, Michael Wagner, Ulrich Cordes, Marelize Gerber, Anna Willerding und Markus Miesenberger

Ausschnitte – Der geliebte Adonis


Fotos: Reinhard Winkler

Donaufestwochen: Pathos und Parodie für den geliebten Adonis

Die Presse
Walter Weidringer

Jubel auf Schloss Greinburg für das tragikomische deutsche Barock-Singspiel „Der geliebte Adonis“ des fast vergessenen Reinhard Keiser. Das Euridice-Barockorchester bestand seine Feuertaufe.
Alle lieben Adonis: Eumene will deshalb ihren lästigen Verehrer Philistus abschütteln, Dryante macht sich ebenfalls Hoffnungen, und Venus will um seinetwillen sogar Mars den Laufpass geben. Wenn nun in Grein Marelize Gerber in der Rolle der Dryante als Seiltänzerin in ihrer ersten Arie über einem imaginären Abgrund balanciert, stimmt das verblüffend genau mit der Musik überein: Da klafft nämlich zwischen dem Hauptmotiv hoch oben in den unbegleiteten Violinen und dessen Wiederholung in Bassestiefen eine Generalpause. Von „munterer Freudigkeit“ reicht ein Schritt zum Absturz in den „Kummer der Sinnen“ – und tatsächlich ist es Dryante, die später als Zurückgewiesene mit dem gleichfalls eifersüchtigen Mars blutige Rache übt. Text, Musik und Darstellung einen Moment lang als echte Einheit: das oft verfehlte Ideal der Oper.
Elemente aus der Commedia dell’arte
Bald jedoch verblasste sein Ruhm, und sogar im Wiederentdeckungswettbewerb unserer Zeit rangiert Keiser weit abgeschlagen. Dabei lohnt es sich, seine einfallsreich-vergnüglichen Werke neu zu hören, zumal dann, wenn gerade die instrumentalen Reize einer seiner Partituren voll ausgekostet werden – wie nun bei den Donaufestwochen im Strudengau in „Der geliebte Adonis“ (1697): Unter der schwungvollen Leitung von Erich Traxler bestand das junge Euridice-Barockorchester der Anton- Bruckner-Privatuniversität Linz im Arkadenhof von Schloss Greinburg zauberflötengleich nicht nur seine Feuer-, sondern wetterbedingt durch ein Regentröpfel-Intermezzo auch seine Wasserprobe als Opernorchester tadellos. Arien, Duette, ein Terzett und sogar ein madrigaleskes Ensemble, sensible Textausdeutung sowie abwechslungsreiche Bläsersoli halten die Spannung aufrecht. Mit relativ einfachen Mitteln (Ausstattung: Isabella Reder) spielt Regisseurin Manuela Kloibmüller mit Elementen von Zirkus und Commedia dell’arte. Das gerät nicht immer so logisch wie eingangs geschildert, glückt aber vor allem in der Schlüsselrolle des Spaßmachers Gelon. Der Tenor Markus Miesenberger agiert souverän: Mit Clownsnase und starker Mimik kommentiert er die Liebeskalamitäten in heiteren Strophenliedern und untermauert seine Pointen mit Draufgaben wie Jonglierkunststücken. Durch noblen Stimmklang sängerisch verbunden wirkt das zuletzt doch noch verkuppelte Paar Eumene (Anna Willerding) und Philistus (Ulrich Cordes); Maria Weiss stattet den coolen, eitlen Schwerenöter Adonis mit ebenmäßig schlanken Mezzosoprantönen aus, Michael Wagner poltert imposant die Basskoloraturen des Mars, und Venus Maria Weber darf ausdrucksvoll um den Toten trauern.

Dieser Adonis ist ein Ereignis

Kronen Zeitung
Norbert Trawöger

Eine Entdeckung ist Reinhard Keisers Singspiel „Der geliebte Adonis“ von 1697 auf der Greinburg auf jeden Fall, auch wenn es sich nicht um eine österreichische Erstaufführung handelt, wie die Donaufestwochen annehmen: Die hat hierzulande schon vor einem Vierteljahrhundert Josef Oberauers Theateraufstand besorgt.
Der Greiner „Adonis“ ist ein Ereignis, das ein paar Regentropfen nur kurz stoppen können, zur Strecke bringt „Adonis“ dann doch erst das marsianische Schwein. Liebesverhältnisse zwischen Göttinnen und schönen Buben sind auch nicht unkompliziert. Kurzweilig ist die mythologische Story, die Regisseurin Manuela Kloibmüller in Isabella Reders Bühne und Kostüme amüsant einfach und treffsicher zeichnet. Keisers Musik ist in ihrer rezitativischen und ariosen Ausformung und Fortschreitungen einfach ein Hammer, den das Euridice Nachwuchs-Barockorchester der heimischen Bruckneruni unter der klaren Leitung von Erich Traxler großartig aufspielt. Und dann erst die sieben Sängerinnen und Sänger, die ein lustvoll schönes Sängerfest entfachen: lustig frontal Markus Miesenberger als kommentierender Gelon, dringlich (zusammen-)klingend Anna Willerding als Eumene und Ulrich Cordes als Philistus. Marelize Gerber scheut als Dryante keine Höhen, Michael Wagner formtfüllend keine Tiefen. Maria Weiss ist ein frech burschikoser Adonis und auch Maria Weber vermag im Laufe des Stücks immer mehr als Venus ihre Stimme fliegen lassen. In aller Kürze: Grandiose Musik, begeisternd umgesetzt! Schwere Empfehlung!

Verliebt in Adonis auf der Greinburg – Die Donaufestwochen im Strudengau bieten eine sehenswerte barocke Opernrarität des Hamburger Komponisten Reinhard Keiser

Neues Volksblatt
Georgina Szeless

Jenseits von platter Theatralik – Die versierte Regisseurin Manuela Kloibmüller, auch in der Operette erfolgreich, verstand es ausgezeichnet, das antike Thema von der Liebe jenseits von platter Theatralik zu inszenieren und den Handlungsablauf pointiert in Schwung zu halten. Genau diesen Drive braucht die alte, musikalisch um ein und dieselbe Stilachse sich drehende Oper, um zu unterhalten.

„Der geliebte Adonis“ als launig-heiteres Open-Air-Spektakel

OÖ Nachrichten
Michael Wruss

Am Samstag hatte im Schlosshof der Greinburg Reinhard Keisers Singspiel „Der geliebte Adonis“ im Rahmen der Donaufestwochen im Strudengau Premiere. Zwar nicht vom Wettergott verschont, aber dennoch als launigheiteres Open-Air-Spektakel. Reinhard Keiser ist einer der ersten wichtigen deutschen Opernkomponisten, der die deutsche Sprache einsetzte. Komponiert hat Keiser diese Oper 1697 kurz nach dem Amtsantritt als Kapellmeister der Hamburger Gänsemarktoper, und sie ist das früheste vollständig überlieferte Bühnenwerk des leider in Vergessenheit geratenen Barockkomponisten.
Fein auf die Bühne gebracht
Manuela Kloibmüller hat die Oper in der geschickt einfachen Ausstattung von Isabella Reder fein auf die Bühne gebracht, ohne große Aktualisierung und ohne die skurrilen Situationen auf die Spitze zu treiben. Speziell die Lamenti im dritten Akt waren zu ernst, hier wäre in Bezug auf den Text die Karikierung des bloß aufgesetzten Heulens intendiert gewesen. Das würde auch der von Grund auf komischen Anlage entsprechen, mit dem als Clown kenntlich gemachten Gelon, der als „lustige Person“ das Geschehen ins Lächerliche zieht. In dieser Rolle begeistert Markus Miesenberger, der die clowneske Übertreibung, das feine Outrieren perfekt beherrscht und auch seine Arien fein realisiert. Anna Willerding ist eine hervorragende Eumene, die subtil mit dem Witz ihrer Rolle spielt. Marelize Gerber überzeugt als von Liebe und Rache hin und her gerissene Dryante, und Michael Wagner schlüpft gekonnt in die Rollen des Mars und Proteus. Ulrich Cordes mimt und singt perfekt den von der Frauenwelt übersehenen Philistus. Vor allem stimmlich begeisterten die beiden Hauptprotagonistinnen Maria Weber als Venus und Maria Weiss als narzisstischer Macho Adonis. Viel Applaus gab es auch für das Euridice Barockorchester und für Erich Traxler, der mit seinem subtilen Dirigat sowohl das Orchester als auch die Solisten zu Höchstleistungen anspornte. Ein Spektakel, das man sich nicht entgehen lassen sollte.